In der Ausstellung zeigt Harald Reiner Gratz eine Auswahl von Bildern aus den zurückliegenden zehn Jahren. Teile verschiedener Werkgruppen werden zu einem spannenden Ensemble zusammengeführt.
Harald Reiner Gratz wäre nicht geworden, was er heute ist, wenn er sich hinter seiner Kunst verschanzte. Er lebt offensiv und malt auch so, immer interessiert an Experimenten, immer auf Entdeckungen aus. Er ist Thüringer, ohne selbstgenügsam zu sein (was fast schon ein Widerspruch ist). Seine Kunst ist kein Gegenbild unserer Zeit, sondern ein Spiegel, gerade in der Vielfalt ihrer Facetten, in der Gleichrangigkeit verschiedener Perspektiven, im letztendlich rätselhaften ihrer genauen Bedeutung. Er ist ein Vielproduzierer, einer im Schaffensrausch, im Farbrausch. Dass er dabei nicht der Beliebigkeit anheimfällt, verdank er seinem Kopf. Der ist bodenständig und reist gern, ungeduldig und ausdauernd; ein wortkarger Geschichtenerzähler, wach und zugleich im Rausch seiner Imagination. Das Gemisch stimmt, würden Motorsportler sagen …
Prof. Kai-Uwe Schierz, Kunsthistoriker
Harald Gratz ist ein Kind, ein Gaukler, Jongleur mit theatralischem Vermögen, ein gläubiger Wahrheitssucher und unaufhaltsam im selbstzweifelnden Schaffensdrang: Ein Maler eben.
Wenn man die riesige Auswahl von Zeichnungen als Grundlage seiner Bilder zu begreifen versucht, so mag das in den ersten Jahren seines Schaffens noch richtig sein, doch spätestens ab der Jahrhundertwende entsteht da etwas Neues: Ein Geflecht aus Erkundung, Bezeichnung und Erprobung, das keine darauffolgende Malerei mehr nötig hat und die Differenzierung zwischen Zeichnung und Malerei aufhebt. Wenngleich an der einen oder anderen Stelle ein Neo seine Pfeife raucht, findet Gratz hier sicheren Tritt und begibt sich in eine neue und eigenständige Bildwelt.
Werner Liebmann, Maler und Grafiker
Ich habe Harald Gratz kürzlich in seinem Atelier in Schnellbach besucht, es galt, eine neue Ausstellung vorzubereiten und die Bilder auszuwählen. Es fiel nicht schwer, eine überzeugende Gruppe für Berlin auf die Seite zu stellen. Bilder, die mich darin bestärkten, wie richtig es war, den Versuch einer Zusammenarbeit vor 22 Jahren zu begründen, an ihn zu glauben und Vertrauen zu entwickeln. Vor allem durch seine Kunst, die schon damals den Weg zu der heute erreichten Entwicklung und Reife erkennen ließ. Er hat sich immer wieder selbst bestätigt und er hat damit seinen Rezipienten und seinen Galeristen die Entscheidung, an ihm festzuhalten, leicht gemacht.
Rüdiger Küttner, Galerist, Galerie Berlin
24. Juni bis 30. August 2026 im Funktionsgebäude, EG bis 2. Etage
24. Juni bis 10. August 2026 zusätzlich im Zwischengang zum Abgeordnetengebäude
Harald Reiner Gratz, Das Ende der Spiegel, 2025, Mischtechnik auf Dibond, 120 x 160 cm