15.01.2026
Zum Tod von Buchenwald-Überlebendem Raymond Renaud
Gemeinsame Medieninformation der Thüringer Staatskanzlei und des Thüringer Landtags
Zum Tod von Buchenwald-Überlebendem Raymond Renaud: Voigt und König würdigen sein Vermächtnis
Mit tiefer Betroffenheit haben Ministerpräsident Mario Voigt und Landtagspräsident Thadäus König auf die Nachricht vom Tod des Buchenwald-Überlebenden Raymond Renaud reagiert: „Sein lebenslanges Engagement für das Erinnern und seine Zeitzeugenarbeit werden wir nie vergessen.“
Raymond Renaud war zwischen September 1943 und April 1945 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert und hat die NS-Vernichtungspraktiken überlebt. Am 14. Januar 2026 ist er im Alter von 102 Jahren verstorben.
Ministerpräsident Mario Voigt: „Der Tod von Raymond Renaud macht mich sehr traurig. Wir verlieren mit ihm einen ganz besonderen Menschen, dessen Lebensgeschichte mich persönlich tief bewegt. Er musste eine menschenverachtende Realität ertragen und konnte über Jahre kein selbstbestimmtes Leben führen. Nach seiner Befreiung hat er den Weg in ein engagiertes und zugewandtes Leben gefunden. Über mehr als 20 Jahre hat er sich mit großer Konsequenz in der Erinnerungsarbeit mit Jugendlichen engagiert. In unzähligen Gesprächen konnten viele junge Menschen aus seinem Schicksal lernen und Verantwortung für unsere Demokratie übernehmen. Er hat seine Geschichte erzählt, gegen das Vergessen angekämpft und deutlich gemacht, wohin Menschenhass, Antisemitismus und autoritäres Denken führen. Raymond Renaud hat in Thüringen bleibende Spuren hinterlassen. Durch sein Wirken hat er ein unverrückbares Zeugnis gegen das nationalsozialistische Unrecht abgelegt. Seine Stimme wird uns fehlen – sein Vermächtnis wird in den Herzen und im Handeln vieler Menschen weiterleben.“
Landtagspräsident Thadäus König würdigte Renaud als wichtigen Zeugen der Geschichte, der die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen lebendig gehalten und damit einen unverzichtbaren Beitrag zur politischen Bildung gerade junger Menschen geleistet hat: „Mit dem Tod von Raymond Renaud verlieren wir erneut einen Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald und eine starke Stimme des Widerstands und der Versöhnung. Bereits mit 17 Jahren engagierte er sich mit seinem Vater in der Résistance gegen die deutschen Besatzer. Er überlebte die Deportation und die Verbrechen der Nationalsozialisten in Buchenwald. Über dieses Überleben sprach er, um beständig daran zu erinnern, wie Diktatur und Ideologie den Menschen die Würde nehmen.“
Und weiter: „Thüringen hat Raymond Renaud viel zu verdanken. Wir durften ihm zuhören, von ihm lernen und uns mit ihm austauschen. Er bleibt in Erinnerung als warmherziger und zugewandter Mahner und als ein mitfühlender Menschenfreund. Wir werden ihn in ehrender Erinnerung behalten und seine Worte weitergeben. Meine Anteilnahme gilt seiner Familie. Möge seine Seele in Frieden ruhen.“
Beide sind Raymond Renaud zuletzt beim 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora in Weimar am 6. April 2025 persönlich begegnet. Dieser Moment bleibt für beide unvergessen, weil Renaud dort mit Blick auf die Verantwortung der Gegenwart klar und eindringlich über seine Erfahrungen gesprochen hat.
Voigt und König sprechen der Familie sowie allen, die ihm nahestanden, ihr tief empfundenes Mitgefühl aus.
Ministerpräsident Voigt und Landtagspräsident König werden am 27. Januar an der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Erinnerungsort Topf & Söhne teilnehmen. Dort werden beide das außerordentliche Engagement von Raymond Renaud für Erinnerung, Demokratie und Humanität würdigen. Auch der Buchenwaldüberlebende Naftali Fürst wird an der Veranstaltung teilnehmen.