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Landtagspräsident Christian Carius - Weihnachtsansprache

23. Dezember 2014

Landtagspräsident Christian Carius (Foto: MDR)
Landtagspräsident Christian Carius (Foto: MDR)

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
 
wir blicken auf ein bewegtes Jahr zurück. Es war ein Jahr, in dem Konflikte nach wie vor häufig nicht mit Worten, sondern mit Waffen ausgetragen wurden. Die Krise in der Ukraine hat tiefe Besorgnis geweckt. Noch immer ist keine Lösung gefunden. Der Gesprächsfaden darf nicht abreißen. Auch in anderen Weltregionen leiden die Menschen unter kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Konflikte besonders in Syrien, aber auch in anderen Ländern, haben zahllose Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Bis Jahresende werden rund 200.000 Asylanträge in Deutschland erwartet. Bis zu 7.000 Flüchtlinge kommen allein in unseren Freistaat, um Schutz vor Verfolgung zu suchen. Wir wollen diese Menschen gut aufnehmen, wie wir uns um alle Menschen im Freistaat kümmern müssen, die in Not geraten sind und Hilfe benötigen.
 
Die Sicherheit, die Menschen bei uns finden, hat viel mit politischer Stabilität zu tun. Zu dieser Stabilität gehört auch der geordnete Wandel. Im Herbst hat sich das neu gewählte Parlament konstituiert, der mittlerweile 6. Thüringer Landtag. Seit Anfang Dezember ist eine neue Landesregierung im Amt. Bei vielen Menschen hat die Regierungsbildung Unruhe und Sorge ausgelöst. So verständlich dies ist, so selbstverständlich ist es zugleich, dass der Landtag den Ministerpräsidenten gewählt hat. Die streitbare Auseinandersetzung gehört zu einer lebendigen Demokratie. Doch auch Besonnenheit, Respekt und Fairness sind politische Tugenden.
 
In diesem Jahr haben wir überall in Thüringen eines Ereignisses gedacht, das die Welt veränderte. Vor 25 Jahren fiel der eiserne Vorhang, und die innerdeutsche Grenze öffnete sich. Die Menschen haben damals, nur mit Kerzen in den Händen, den scheinbar übermächtigen Unterdrückungsapparat der SED-Diktatur überwunden. Das zählt zu den größten Momenten der deutschen Geschichte. Wir Thüringer verdanken der friedlichen Revolution die Wiedergründung unseres Freistaats, an die wir im neuen Jahr erinnern werden.
 
Heute können die Bürgerinnen und Bürger in Freiheit leben. Sie können frei ihre Meinung äußern. Sie können reisen – kein Stacheldraht versperrt ihnen mehr den Weg. Thüringen ist längst das klassische Land der Mitte geworden. Ein Land in der Mitte Deutschlands, in dem sich nicht nur neue Verkehrswege kreuzen, sondern auch geistige Strömungen begegnen und befruchten. Die Mitte ist da, wo die ganz überwiegende Mehrzahl der Menschen zusammenkommt, wo sich Übereinkunft herstellen lässt über die grundlegenden Fragen unseres Gemeinwesens. Wir dürfen diese Mitte nicht verlieren, denn nur aus ihr heraus gewinnt unsere Gesellschaft Stabilität.
 
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
 
Weihnachten steht immer auch für Zuversicht. Die Lichter an den Bäumen, an Häusern und in Gärten strahlen in die Dunkelheit hinaus. Langsam werden die Tage wieder heller. Das neue Jahr steht vor der Tür, verbunden mit Wünschen und Hoffnungen. Lassen wir uns von dieser weihnachtlichen Zuversicht anstecken. Und denken wir gerade jetzt an jene Menschen, die der Zuwendung bedürfen, die einsam sind, krank oder in Trauer. Alle sollen teilhaben an der Helligkeit dieser Tage, in der die frohe Weihnachtsbotschaft aufscheint.
 
Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und viel Glück und Erfolg im neuen Jahr 2015! Und natürlich allen Kindern ein fleißiges Christkind beziehungsweise einen fleißigen Weihnachtsmann!