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Weihnachtsansprache
des Landtagspräsidenten Christian Carius 2016


(Übertragung im MDR am 23.12.2016, ca. 19.20 Uhr,
direkt im Anschluss an das Thüringen Journal)

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© MDR

Zu Weihnachten grüße ich Sie, liebe Landsleute, und alle Menschen im Lande,

über die Feiertage suchen wir Ruhe, Geborgenheit und Frieden. Umso mehr erschüttert uns der Anschlag von Berlin. Wir trauern um die Toten und sind in Gedanken bei den Verletzten und Angehörigen.

Zu Weihnachten wollen wir mit den Menschen zusammenkommen, die uns wichtig sind, die wir mögen, die wir lieben. Sie machen Heimat aus, genauso wie auch das Land, in dem wir zuhause sind.

Im kommenden Jahr wählen wir einen neuen Bundestag. Damit bestimmen wir den weiteren Kurs unseres Landes. Ob in Thüringen oder Deutschland, ob in Europa oder Amerika, im zurückliegenden Jahr wurde leidenschaftlich über den künftigen Weg gestritten. Zu Recht, denn der Streit in der Sache ist keine Störung der Demokratie, sondern ihr Wesensmerkmal. Wir Bürger müssen diese Auseinandersetzung aktiv und mit Leidenschaft führen, mit Anstand und Respekt.

Es ist ein Irrglaube zu meinen, Demokratie könne es jedem Recht machen. Im Gegenteil: im demokratischen Streit um die Sache muss sich eine Meinung durchsetzen. Und so ist Demokratie die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen. Dieses Sich-Beugen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Und so gibt es keinen größeren Dienst an unserer Demokratie, als mit Anstand zu akzeptieren, dass man auch mal in der Minderheit ist.

Im Austausch der Meinungen hilft es wenig, sich gegenseitig zuzurufen „wir sind das Volk“. Denn die alleingültige „Volksmeinung“ gibt es nicht. Wir alle sind das Volk, auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben.

Nun erleben wir erneut große gesellschaftliche Veränderungen. Globalisierung und Digitalisierung bergen Licht und Schatten. Migration, weltpolitische Spannungen und Kriege sorgen auch bei uns für Verunsicherung. Zu Recht fragen viele: Wird es unseren Kindern tatsächlich besser gehen als uns heute?

Ich bin überzeugt: Wir haben allen Grund zur Zuversicht. Wir Thüringer haben schon ganz andere Herausforderungen gemeistert. Doch um die Zukunft unseres Landes zu sichern, müssen wir gemeinsam unsere Werte und Traditionen bewahren.

Dieses Fundament unserer Gesellschaft gilt es in einer Welt des Wandels zu pflegen. Historisch Gewachsenes darf nicht leichtfertig zerschlagen werden. Doch vielen Menschen machen anstehende Veränderungen ihrer Thüringer Heimat Sorgen. Das müssen wir ernstnehmen.

Ein wichtiger Teil unserer Thüringer Traditionen ist es, dass wir Weihnachten feiern. Das gilt auch für Menschen, die nicht gläubig sind. Dennoch sollten wir uns alle daran erinnern, wofür Weihnachten steht. Es ist kein Fest von Glitzer und Kommerz, sondern der Freude, des Friedens und der Mitmenschlichkeit. Daher denke ich an all jene ganz besonders, die Weihnachten in Krankheit, in Not, fernab von zuhause oder alleine verbringen. Ich danke all jenen, die für uns auch an Feiertagen im Einsatz sind - bei der Feuerwehr, im Krankenhaus, in der Pflege, bei der Polizei und der Bundeswehr.

Meine Gedanken sind auch bei den vielen ehrenamtlichen Helfern im Lande. Ihr Engagement für Soziales, im Sport oder in der Kultur ist ein wichtiger Beitrag zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Hierfür gelten Ihnen mein herzlicher Dank und unser aller Respekt.

Liebe Thüringerinnen und Thüringer,

aus der Trauer um die Opfer von Berlin darf kein Hass erwachsen. Sonst würden jene gewinnen, die unsere Freiheit und Werte verachten. Und so lassen Sie uns Weihnachten feiern, nicht unbeschwert, aber ungebeugt, so wie es der Kern der Weihnachtsbotschaft verheißt: Voller Hoffnung und Zuversicht auf Frieden auf Erden. Ich wünsche uns allen eine frohe, segensreiche Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr.“