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Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus


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© Thüringer Landtag


Rede
des Landtagspräsidenten Christian Carius
anlässlich der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

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Heute hat Landtagspräsident Christian Carius anlässlich einer feierlichen Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus eine Ansprache gehalten. Des Weiteren hat der Ministerpräsident Bodo Ramelow und der Holocaust-Überlebende Naftali Fürst zu den Gästen gesprochen. An der Gedenkstunde im Plenarsaal des Thüringer Landtags nahmen ehemalige Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald teil. „Ihre Anwesenheit ist für den Thüringer Landtag, für die Thüringerinnen und Thüringer und für den gesamten Freistaat eine besondere Ehre“, so der Landtagspräsident. „Wir müssen den noch lebenden Zeitzeugen sehr dankbar sein, dass sie sich ihren persönlichen Erinnerungen stellen und uns von ihrem Schicksal berichten. Selbstverständlich ist das nicht, angesichts der seelischen Belastung, der Trauer und des Schmerzes, den sie bei jeder Erinnerung erleben.“
 
„Das Konzentrationslager Auschwitz, dessen Befreiung durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 der Grund für unser jährliches Gedenken an diesem Tag ist, steht für ein ganzes Vernichtungssystem. Eine bis dahin ungekannte Zerstörungsmaschinerie, die uns heute noch nach 71 Jahren erschaudern lässt. Der Name des Vernichtungslagers Auschwitz steht für den Holocaust schlechthin. Leider ist auch unser Freistaat Thüringen in beschämender Weise mit diesem System verbunden. Die Erfurter Firma Topf und Söhne lieferte Öfen für die Verbrennung der Opfer und war am Bau und dem Betrieb von Gaskammern beteiligt.“
 
„Wir müssen der Gefahr entgegentreten, dass sich Gedenktage in zu Formeln erstarrten Bekenntnissen erschöpfen“, so Carius weiter. „Deshalb ist es umso wichtiger nach Wegen zu suchen, das Wissen und das Bewusstsein um den Charakter des nationalsozialistischen Regimes zu erweitern und zu sichern. Denn eines ist für jeden moralisch und rechtsstaatlich Denkenden, für jeden Demokraten in diesem Land klar: Wir stehen in einer historischen Verantwortung, und diese Verantwortung hat kein Verfallsdatum. Sie bleibt.“
 
„Wir haben daher die Pflicht, das Wissen und das Bewusstsein nicht nur über das nationalsozialistische Unrechtsregime, sondern auch über das konkret begangene Unrecht an kommende Generationen weiterzugeben. Das gilt für alle, die in diesem freiheitlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Gemeinwesen leben. Das gilt auch für diejenigen, die später zu uns gekommen sind oder noch kommen und hier leben wollen. Auch dieser schlimme Teil der Geschichte gehört nämlich zur Identität unseres Landes. Ungeachtet der Tatsache, dass die später Geborenen keine persönliche Schuld tragen, stehen sie doch in einer nationalen Verantwortungsgemeinschaft und Verantwortungstradition, aus der sich niemand in unserem Land verabschieden kann.“