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Einweihung der Jürgen-Fuchs-Erinnerungsstele im Landtag

Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) bei der Einweihung der Jürgen-Fuchs-Erinnerungsstele gemeinsam mit Herta Müller (mitte) und Hans-Jürgen Döring (SPD).

In einer bewegenden Feierstunde wurde heute im Thüringer Landtag in Erfurt eine Jürgen-Fuchs-Erinnerungsstele eingeweiht. Diese Multimediastele erinnert an den am 9. Mai 1999 verstorbenen DDR-Bürgerrechtler und Schriftsteller und informiert die Besucher des Landtags über dessen Leben und Werk.

Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) sagte vor den rund 200 Gästen unter ihnen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller sowie die Mutter und weitere Familienangehörige von Jürgen Fuchs: „Jürgen Fuchs verdanken wir eindringlichste Analysen, Dokumentationen und Schilderungen der Machtstrukturen der DDR, die einen weiten Blick auf die Zerrissenheit der damaligen Gesellschaft eröffnen. Sein literarisches Werk bildet ein einzigartiges Reservoir an Instrumenten des Widerstands ab. Jürgen Fuchs, dem kritischen Schriftsteller und politischen Autor, dem Oppositionellen und Ausgebürgten schulden wir für sein Lebenswerk dauerhafte Anerkennung. Als Zeichen unseres fortwährenden Respekts weihen wir am 12. Todestag von Jürgen Fuchs im Thüringer Landtag eine Stele ein, die dem Andenken an den Autor gewidmet ist. Dies ist ein Tag, an dem wir der Macht des freien Wortes ein Denkmal setzen.“
 
Für Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, einer engen Freundin, die zur Stunde Texte von Jürgen Fuchs und Auszüge aus ihrem Buch „Atemschaukel“ im Landtag liest, ist dieser Tag sehr schwer. Es sei ein Todestag und das tue weh. Es wäre besser mit ihm hier zu sein, anstatt Plätze und Straßen nach ihm zu benennen. Frau Müller würdigte Jürgen Fuchs als eine dichte und authentische Stimme, die oft in der Literaturkritik nicht so wahrgenommen werde. „Er gilt eher als Bürgerrechtler, der schreibt. Das Literarische ist dabei zu kurz gekommen. Jürgen Fuchs hat die genauesten Bücher über die DDR geschrieben – über die Leute und die Menschen eindringlich und zutreffend wie kein anderer.“
 
Der Abgeordnete Hans-Jürgen Döring (SPD), der Jürgen Fuchs gut kannte und auf dessen Idee die Multimediastele zurückgeht, sagte bei der Einweihung: „Sein Grundthema war Aufbegehren gegen die angepasste Macht, den imperativen Apparat und mit seinen hohlen Phrasen. Wahrheit herstellen. Mitteilen, was wirklich geschieht. Sich einmischen, damit Humanismus sich behauptet. Jürgen Fuchs hat nicht resigniert und damit auch unsere Würde verteidigt. Es ging ihm darum, die Hoheit über die eigene Sprache, das eigene Leben zurück zu erlangen. Was wir dabei noch viel stärker ins öffentliche Bewusstsein tragen müssen: Er hat dabei eine eigene Sprache, eine eigene Poetik entwickelt. Einen Schatz, den wir noch lange nicht geborgen haben.“
 
Die Jürgen-Fuchs-Erinnerungsstele im Foyer des Thüringer Landtags in Erfurt informiert über Leben und Werk des am 19. Dezember 1950 in Reichenbach geborenen DDR-Bürgerrechtlers und Schriftstellers, der heute vor 12 Jahren in Berlin gestorben ist. Nach einer Kurzbiographie werden insbesondere seine Jugend, die Zeit der Exmatrikulation, der Haft, des Exils und der Deutschen Einheit dargestellt. Die Darstellung seines Werkes wird durch Auszüge, die von Herta Müller, Wilfried Pucher und Udo Scheer gelesen werden, illustriert. Die Präsentation „Jürgen Fuchs – stiller Rebell“ kann an der Multimediasäule im Thüringer Landtag angeschaut werden.

 

  • Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) während der Einweihungsrede. Die Familie des Verstorbenen war ebenfalls anwesend. Hier im Bild die Mutter des DDR-Bürgerrechtlers (sitzend).
    Fotos: H.-J. Schaller
  • Die Erinnerungsstele wird gemeinsam von Landtagspräsidentin Birgit Diezel, dem Abgeordneten Hans-Jürgen Döring (SPD) und der Schwester von Jürgen Fuchs eingeweiht.
  • Die Erinnerungsstele
  • Udo Scheer mit der Nobelpreisträgerin Herta Müller im Plenarsaal des Thüringer Landtags.
  • Herta Müller
  • Herta Müller bei der Signierung ihrer Bücher

Rede der Landtagspräsidentin
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Rede Hans-Jürgen Döring
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