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Carius: Thüringer Verfassungskultur


„Die Schlussakte des Wiener Kongresses von 1815 forderte den Erlass von Verfassungen in den deutschen Staaten. Ein Jahr später erließ Großherzog Karl August eine für die damalige Zeit äußerst liberale landständische Verfassung. Sachsen-Weimar-Eisenach, der größte thüringische Teilstaat, war das erste Land in Deutschland nach den Befreiungskriegen, das eine derartige Verfassung erhielt. Ihre Grundzüge fanden deutschlandweit große Beachtung. Als erste Verfassung in der deutschen Geschichte schloss sie vollständige Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit ein. Thüringen wurde so zu einem Refugium freiheitlicher Gesinnung. Der 1817 auf Grundlage dieser Verfassung konstituierte Landtag war die erste frei gewählte Volksvertretung Deutschlands.“ Das erklärte Landtagspräsident Christian Carius im Vorfeld des Festakts anlässlich der „Erhebung Sachsen-Weimar-Eisenachs zum Großherzogtum 1815“ an diesem Sonntag im Stadtschloss Weimar. „Diese frühen Formen bürgerlicher Freiheit prägten unsere föderalistische Verfassungskultur“, heißt es weiter im Grußwort des Landtagspräsidenten zum 200-jährigen Jubiläum des Großherzogtums.

Neben dem Landtagspräsidenten begrüßten am Sonntag auch Michael-Benedikt, Prinz von Sachsen-Weimar-Eisenach, und der Direktor des Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar, Dr. Bernhard Post, die Gäste. Den Festvortrag hielt Professor Dr. Hans-Werner Hahn, der seit 1992 eine Professur für Neuere Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena innehat. Sein Thema lautete: „Innenpolitische Reformen und deutschlandpolitische Initiativen: Die Erhebung Sachsen-Weimar-Eisenach zum Großherzogtum 1815.